Wir fahren gegen die Wand. Mit Vollgas! Aber es gibt Hoffnung!

2016 ist vorbei. Ein Jahr der Emotionen. Ein Jahr der Spaltung. Wir gegen die. Jeder sieht sich auf der richtigen Seite. Die eigene Meinung scheint immer ein bisschen richtiger als die der anderen. Unsere Welt gerät aus den Fugen. Dabei bekomme ich Angst. Angst vor dem was gerade passiert. Der Zukunft folgender Generationen. Unserer Nation. Der Menschheit an sich.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Lösungspredigern. Einfache Antworten auf komplexe Herausforderungen. Ängste werden instrumentalisiert. Irgendwer hat irgendwie eine Spirale losgetreten. Blinder Aktionismus wird als Lösung wahrgenommen. Nicht nur in Deutschland. In Europa. Der ganzen Welt.

Was sind die Ursachen? Diskutieren wir die richtigen Fragen? Betreiben wir nur Kosmetik an den Auswirkungen oder beschäftigen wir uns mit echten Lösungen? Ich bin überzeugt: Wir stecken mitten in einem Epochenwandel. Müssen handeln. Endlich gestalten. Ansonsten fällt unsere Zukunft den Dunkelmännern in die Hände. Es fängt bereits an.

Wir stecken im größten Umbruch der Menschheit

Es gibt ein Thema, das mein Leben intensiv begleitet hat: Wandel! Ich habe es mir nicht ausgesucht. Bin irgendwie reingestolpert. Erst persönlich. Dann beruflich. Am Anfang war es hart. Inzwischen ist es meine Passion. Eine Sache habe ich dabei gelernt. Es gibt kaum etwas, dass der Spezies Mensch so schwer fällt wie Veränderung! Mir. Jedem Einzelnen. Der ganzen Gesellschaft noch viel mehr.

Die Geschichte zeigt: der Wandel setzt sich immer durch. Der Buchdruck war Grundlage für die erste Demokratisierungswelle von Wissen. Führte zur Aufklärung. Zur Reformation. Zum 30-jährigen Krieg. Oder die Industrialisierung. Sie senkte die Grenzkosten der Produktion. Führte im ersten Schritt zum Wohlstand einer kleinen Elite. Irgendwann zum Klassenkampf. Kapitalisten gegen Proletarier. Dem kalten Krieg. In Deutschland haben wir uns auf den Rheinischen Kapitalismus verständigt. Die Werte einer sozialen Marktwirtschaft. Haben die Gesellschaft am Fortschritt partizipieren lassen.

Durch die Digitalisierung stecken wir wieder in solch einer historischen Phase. Dem bislang größten Epochenwandel unserer Geschichte. Eines dieser seltenen Zeitalter, in denen alles auf den Kopf gestellt wird. Die Karten neu verteilt werden. Heute geht der Wandel schneller. Wird zu einem permanenten Zustand. Er betrifft jede Branche. Jeden Gesellschaftsbereich. Grenzkosten schmelzen dahin. Die Wirkung eingesetzter Ressourcen steigt. Hier schlummert Potenzial. Unvorstellbares Potenzial.

Bislang fokussieren wir uns auf Technologie und Wirtschaft

Digitalisierung ist nicht das Problem. Ist lediglich der Startpunkt dieses neuen Kapitels. Bislang fokussieren wir uns vor allem auf den technologischen Wandel. Die Transformation der Wirtschaft. Startups sind Treiber der #neuland-Gestaltung. Nutzen Effizienzen neuer Technologien. Ich tummle mich seit über 10 Jahren in dieser Welt. Sehe welch großartige Ideen Realität werden. Mit welcher Leidenschaft Zukunft gestaltet wird. Bin begeistert von den Machern.

Gleichzeitig macht sich bei mir ein flaues Gefühl im Magen breit. Wenn ich die aktuelle Entwicklung weiterdenke, sogar echte Bauchschmerzen! Ich bin ein Freund der Digitalisierung. Ein Verfechter vom Fortschritt. Begeistert von echtem Unternehmertum. Aber wer profitiert bislang vom Wandel?

Der Umbruch wird in erster Linie vom Kapital gesteuert. Venture Capital finanziert Startups. Die Innovationsbeschleuniger. Transformatoren der Wirtschaft. Dadurch kauft man sich Zukunftsmärkte. Einen nach dem anderen. Es sind nicht nur Märkte. Es betrifft alles. Bildung. Arbeit. Mobilität. Unser Leben. Die Gesellschaft als Ganzes. Einige dieser Unternehmen sind heute mächtiger als mancher Staat.

Das Kapital hat begriffen, dass gerade die Zukunft verteilt wird. Ist fleißig dabei, sich Stück für Stück vom Kuchen zu sichern. Der Investor Warren Buffet hat es treffend formuliert: “Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht.”

Ich glaube, wir haben unseren eigenen Weg noch nicht gefunden. Kopieren gerade von den aktuellen Gestaltern des Wandels. Stellen finanzielle Rendite vor gesellschaftliche Rendite. Hoffen auf diesem Weg von der Veränderung zu partizipieren. Aber kann das funktionieren? Ich glaube nicht. Wir haben eine andere Gründungs- und Finanzierungskultur. Eine andere Art der Ideenrealisierung. Wir müssen aufwachen. Selbst gestalten. An einer Transformation im Einklang mit unseren Werten bauen. Den Menschen die Angst vorm Wandel nehmen. Endlich eine Vision für die Zukunft Deutschlands gestalten.

Gesellschaftlicher Wandel will gestaltet werden

Mit dem technologischen geht ein gesellschaftlicher Wandel einher. Dies war immer so. Und wird auch so bleiben. Aktuell gehen wir die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen nicht mit dem gleichen Nachdruck an. Überlassen den Wandel sich selbst. Für echte Lösungen müssen wir uns verändern. Uns persönlich. Die Bildung. Die Wirtschaft. Den sozialen Sektor. Politik. Und Globalisierung. Wir müssen offen sein für Innovationen. Für zukunftsorientierte Experimente. Der Nutzen vom Wandel muss endlich wieder beim Menschen ankommen.

Analog zur Startup-Szene hat sich eine globale Bewegung entwickelt. Es sind Macher. Social Entrepreneure. Soziale und gesellschaftliche Innovationstreiber. Menschen, die mit Hochdruck an der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen unserer Zeit arbeiten. Von der Politik bislang kaum beachtet. Zumindest in Deutschland.

Mit der Studie „The best countries to be a Social Entrepreneur“ hat die Thomson Reuters Foundation diese Entwicklung bei den 45 wirtschaftlich stärksten Nationen untersucht. Insgesamt kommt Deutschland auf Platz 12/45. Bei der Unterstützung des Themas durch die jeweilige Regierung jedoch nur noch auf Platz 34/45 – zwischen Griechenland und Mexiko. Damit dürfen wir uns nicht zufrieden geben!

Deutschland hat eine lange Tradition im Aufbau gesellschaftlicher Innovationen. Wir sind das Land, in dem die Krankenversicherung entstand und genossenschaftliche Banken ihren Ursprung haben. Waren Gestalter der sozialen Marktwirtschaft. Aber irgendwann haben wir aufgehört. Ganz still und leise. Wir innovieren nicht mehr. Entwickeln die Instrumente einer Sozialen Marktwirtschaft nicht weiter. Versuchen, Herausforderungen des 21. Jahrhunderts weiter mit den Werkzeugen des letzten Jahrhunderts zu lösen.

In der Wirtschaft hat man es inzwischen begriffen. Wirklicher Wandel findet nicht innerhalb etablierter Strukturen statt. Man innoviert gemeinsam mit den Startups. Im Kontext gesellschaftlicher Innovationen ist man aber noch zu zögerlich. Dabei geht es doch um nichts anderes als die Arbeitsteilung im Zeitalter des permanenten Wandels.

Was passiert, wenn wir daran nichts ändern? Wenn wir technologisch weiter den Turbo zünden und gesellschaftliche Innovationen sich selbst überlassen? Aktuell gehen wir genau diesen Weg. Wir sitzen in einem Zug, der permanent schneller fährt. Das Gleis führt direkt auf eine Wand. Wir sollten endlich an einer Weiche bauen. Viel Zeit bleibt uns nicht!

Hände aus der Hosentasche. Wir müssen handeln. 

Wer weiter an Besitzstandswahrung arbeitet. Den Status quo verteidigt. An eine Welt ohne Veränderung glaubt. Hat sich getäuscht. Glaubt an eine Illusion. Hat im Geschichtsunterricht gepennt. Oder Zusammenhänge nie wirklich verstanden.

2017 muss ein Jahr des gesellschaftlichen Aufbruchs werden! Alternativlos. Zumindest, wenn wir nicht in ein Zeitalter der Dunkelmänner eintreten wollen. In Deutschland schlummert enormes Potenzial. Wir tragen die Narben aus dem 3. Reich. Haben daraus gelernt. Uns weiterentwickelt. Waren ein gespaltenes Land. Ein Land, in dem Kapitalismus und Kommunismus aufeinandergetroffen sind. Waren Wiege gesellschaftlicher Innovation. Können dies wieder sein. Heute haben wir bessere Werkzeuge denn je. Müssen aber endlich anfangen diese einzusetzen. Jetzt!

Hier ein paar Ideen, wie jeder – auch Du – direkt aktiv werden kann:

Vorschlag für die Politik:

Vorschlag für die Medien:

  • Ein Jahr lang 50% der Titelseite mit Beiträgen zu gesellschaftlichen Innovationen füllen
  • Sendung analog „Die Höhle der Löwen“ für Social Startups mit Live-Crowdfunding initiieren

Vorschlag für Wohlfahrtsorganisationen und CSR-Abteilungen:

Vorschlag für Dich:

  • Bring Dich ein. Egal wie. Gründe ein Social Startup. Oder unterstütze bestehende Akteure. Werde Teil einer großartigen Bewegung.
  • Teile diesen Beitrag. Erzähle Deiner/m Bundestagsabgeordneten davon. Oder von wem auch immer Du glaubst, dass sie/er einen Beitrag zur Lösung der Herausforderungen unserer Zeit leisten kann.

Du hast andere Ansätze, wie wir Wandel gestalten und damit einhergehende Herausforderungen lösen können? Ich freue mich auf jeden konstruktiven Kommentar und Deine Vorschläge.

2017-09-17T16:02:40+00:008. Januar, 2017|Kategorien: Allgemein|12 Kommentare

12 Comments

  1. Christoph Kastenbauer 9. Januar 2017 um 9:28 Uhr - Antworten

    Top Artikel, Markus! Kluge Gedanken, perfekt auf den Punkt gebracht. Let’s start it!

    • Markus Sauerhammer 10. Januar 2017 um 13:10 Uhr - Antworten

      Danke. Jetzt müssen wir nur #Machen und vor allem noch ein paar Leute mehr für unsere Bewegung begeistern!

  2. Inga 9. Januar 2017 um 10:04 Uhr - Antworten

    Gute Ideen, aber ich finde deinen Text ganz schwer zu lesen. Es ist so als würde ich immer mitten in Satz gestoppt werden durch einen Punkt wo eigentlich ein Komma hinmüsste. Oder wo der Satz noch gar nicht fertig ist…Ich finde das ganz unangenehm so deinen Gedanken zu folgen. Schade eigentlich!

    • Markus Sauerhammer 10. Januar 2017 um 13:09 Uhr - Antworten

      Danke für deine Rückmeldung. Du hast natürlich Recht, dass der Artikel nen anderen Schreibstil hat. Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Entwickle mich aber gerne weiter, wenn es mehr Leuten geht wie dir.

      • Magirus 11. Januar 2017 um 11:44 Uhr - Antworten

        Mir geht es leider auch so. Ohwohl ich den Artikel gut finde, hemmt der Schreibstil.

      • Paula Timmel 25. Januar 2017 um 14:38 Uhr - Antworten

        Ich finde deinen Schreibstil eigenzlich ziemlich nice – ist mal was anderes und geht ab von den konventionellen verschachtelten Kommata-Sätzen die wir so kennen. Die Punkte geben den eingeschlossenen, kurzen Gadanken viel mehr Bedeutung und Aussagekraft. Also ich find’s ne schöne #Innovation! 🙂

  3. Alexander Klarmann 9. Januar 2017 um 17:28 Uhr - Antworten

    Ziemlich großartiger Artikel, der so einiges trifft, was ich auch denke.
    Bist du zufällig auf der nächsten Make auch wieder vertreten, weißt du das schon?

    • Markus Sauerhammer 10. Januar 2017 um 13:03 Uhr - Antworten

      Freut mich, dass Du die Entwicklung auch wahrnimmst. Zur nächsten Make (Munich?) gibt es bislang noch keine Pläne!

  4. Magirus 11. Januar 2017 um 11:45 Uhr - Antworten

    Ein Wandel bedeutet auch, dass wir über unsere Regierungsform neu nachdenken müssen. Wir sollten die Demokratie, die nach wie vor mit den Mitteln des 19. Jahrhundert arbeitet, ins 21. Jahrhundert bringen.

    Daran arbeiten wir und wir suchen Leute, die dabei sind unter http://direktkandidaten.info.

    Danke für den Artikel!

  5. […] Warum hatte ich Lust auf dieses Treffen beim Agora Collective in Berlin Neukölln? Ein Stück weit genieße ich den wertschätzenden Bauchpinsel, zu einer „erlesenen“ Auswahl gezählt zu werden. Soziale Medien können nur Tiefgang erhalten, wenn man die Menschen hinter den Tasten kennenlernt. Darüber freue ich mich auch immer, wenn sich unserer Energieblogger-Gemeinschaft trifft, in der wir viel über den Fight für 100% erneuerbare Energien sprechen. In Berlin fand ich es gut neue Leute kennenzulernen, die ganz andere Dinge innerhalb der großen Klammer der „Nachhaltigkeit“ machen. Mode, Schuhe, Sozialunternehmen, Öko-Saatgut, Tiefenökologie, vegane Schlachterei, grüne Unternehmen, ein transformierendes Magazin, Liebe und Finanzierung durch die Crowd, mächtige Greenpeace-Kampagnen, Divestment, Post-Wachstums-Ökonomie, Politikberatung und eben die Bänker.. die Vielfalt war toll.  Wir brauchen in allen Bereichen einen Wandel und mehr Menschen die diesen lebhaft verkörpern. Markus hat recht, dass wir gesellschaftlichen Wandel mit dem gleichen Nachdruck angehen müssen wie technologischen Wandel. […]

  6. […] sind wir in einer Phase des Wandels. Ein Umbruch der gewaltiger und rasanter ist als jemals zuvor. Und immer mehr der Mauerbauer kommen an den Drücker. Wir haben eine weltweite Renaissance dieser Couleur. Im mächtigsten Land der Welt war es eines […]

  7. […] nicht die ersten in der Geschichte der Menschheit. Machen die gleichen Fehler wie andere vor uns. Auch dazu habe ich geschrieben. Gerade in der jetzigen Zeit gilt es, sich auf zukunftsorientierte Lösungen zu fokussieren. Wenn […]

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